Geschichte der Kulturbrauerei

1990 - 2000
1990 - 2000

1990: Die Treuhandanstalt (THA) übernahm das vom Verfall bedrohte Gelände.

1991: Gründung der KulturBrauerei gGmbH.

Mit Gründung der KulturBrauerei gGmbH begann die kulturelle Belebung des Areals und damit war auch der Name geboren, den jetzt das Areal der ehemaligen Schultheiss-Brauerei trägt. Als gemeinnütziger Verein eingetragen sind die KulturBrauerei selbst, das Theater Sonnenuhr e.V., Kunstwerkstatt für behinderte Kinder und Erwachsene, Musikszene e.V., Stiftung Industrie- und Alltagskultur und der Franz-Club e.V. (schied 1995 aus).

Ausschreibung der Immobilie zum Verkauf:

Die THA hat einen Investorenwettbewerb ausgeschrieben. Der Verkauf war an zwei Bedingungen geknüpft. Zum einen die Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen und 15.000 m² für einen Preis von 5,- DM Nettokaltmiete der KulturBrauerei gGmbH bis zum Jahre 2011 zur Verfügung zu stellen. Das französische Immobilienunternehmen "Aqua viva" gewann die Ausschreibung. Im Verlaufe der Abwicklung schwand die Überzeugung von der Wirtschaftlichkeit einer Sannierung der Immobilie und so scheiterte im Mai 1993 das Geschäft.

"Einspruch" mit Ulrich Meyer:

Die von SAT 1 verpflichtete Berliner Produktionsfirma lässt das alte Kesselhaus der KulturBrauerei für 800.000 DM sanieren und konnte dafür zwei Jahre lang mietfrei die wöchentliche Sendung mit Ulrich Meyer produzieren.

1993: Erneute Ausschreibung der Immobilie zum Verkauf. (Mindestgebot 27 Mio. DM)

1994: Verkauf der Immobilie an die Participia Holding GmbH.

1995: Rücktritt der Käufer vom Kaufvertrag.

Die THA hatte mehrfach versucht die Immobilie zu verkaufen. Die Investoren sind jedoch von dem Kaufvertrag zurückgetreten. Die wunderschöne, denkmalgeschützte Industrieimmobilie aus der Zeit der Jahrhundertwende, die sich in einem schlechten Zustand befand und die darüber hinaus nicht den Nutzungsanforderungen unserer Zeit entsprach, scheuten die Käufer.

Die Immobilie ging zurück an die THA welche diese der TLG Treuhand Liegenschaftsgesellschafts mbH übergab.

1996: Präsentation des Nutzungskonzepts in einer öffentlichen Ausstellung.

Die TLG stellte ein Nutzungskonzept vor, dass in Ergänzung zum Erhalt der KulturBrauerei gGmbH als kulturelles Zentrum durch eine Nebeneinander von gemeinnütziger und kommerzieller Nutzung eine Sanierung der denkmalgeschützten Immobilie als Gesamtensemble wirtschaftlich zulässt. Aufgrund des bis 2011 laufenden Mietvertrages mit der gemeinnützigen Einrichtung der KulturBrauerei über eine Fläche von über 7.000 m² für einen Quadratmeterpreis von lediglich 5,- DM muss die für den Vermieter unwirtschaftliche Miete im Sinne einer Mischkalkulation über eine kommerzielle Nutzung aufgefangen werden, damit die Investitionen für die Sanierung des Industrieareals wirtschaftlich tragfähig wird.

Über das Konzept, das die Ansiedelung von Ateliers, Galerien, Büros, Gastronomie, Einzelhandel und ein Kino vorsieht, wurde politisch auf allen Ebenen zäh gerungen.

Mit folgenden wesentlichen Einschränkungen soll der Bebauungsplan als Kerngebiet am 10. Dezember 1997 während einer Sondersitzung der BVV rechtskräftig werden: Im festgesetzten Kerngebiet der KulturBrauerei sollen Spielhallen und die Schaustellung von Personen (z.B. Peep-, Sex- und Liveshows) sowie Video- oder ähnliche Vorführungen unzulässig sein. Die Genehmigung von Filmtheatern und Diskotheken soll von ihrer Art und Größe abhängig gemacht werden.

Am 20. Juni "Möbelmarkt" Gesamtvollstreckung.

Am 01. August 1997 schließt der legendäre, weit über Berlin hinaus bekannte Franz-Club seine Pforten.

1998: 100-Millionen-Projekt/Erster Spatenstich.

Nicht zuletzt auf wiederholte Vermittlung von Wolfgang Thierse, stellvertretender Vorsitzender der SPD und ein intimer Kenner der Kulturszene im Prenzlauer Berg, der seit Jahrzehnten nur unweit von der Brauerei wohnt, wird am 3. April 1998 der städtebauliche Vertrag geschlossen. Bis Juni 1998 werden die Baugenehmigungen sukzessiv erteilt.

Nach jahrelangem Streit beginnt am 16. September mit dem symbolischen ersten Spatenstich durch den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen die 100 Millionen DM teure Sanierung der ehemaligen Schultheiss-Brauerei. Finanziert wird das teure Projekt von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) die für die Sanierungskosten einen Kredit zu marktüblichen Zinsen aufnimmt. Auf dem 25.000 m² großen Areal, deren Gebäude rund 55.000 m² Bruttogeschoßfläche und rund 40.000 m² Mietfläche umfassen, kann jetzt mit dem Aus- und Umbau der denkmalgeschützten Gebäude begonnen werden. Die ursprünglichen Gebäudestrukturen und Konstruktionselemente werden weitgehend beibehalten, die restaurierten alten Schriftzüge werden an die Nutzung als "Flaschenbierhalle", "Beschlagbrücke" oder "Heuboden" erinnern.

1999: Einzug der ersten Mieter.

Mit der fortschreitenden Sanierung im Verlauf des Jahres 1999 belebt sich das Gelände mit Mietern. Bereits im Juni wird das Kesselhaus wieder eröffnet. Am 1. September öffnet in der Flaschenbierabteilung der Supermarkt. Im Dezember zieht der Gehörlosenverband in den Turm ein und am 31. Dezember starte in der vormaligen Abfüllstation der SODA Club (1.300 m²) mit einer großen Silvesterparty.

Textquellen 
Willi Glaser; Vom Handwerk zum Großbetrieb be.bra Verlag, Berlin 2001; Die KulturBrauerei in Prenzlauer Berg